Über ein spätsommerliches Schwimmen …

Über ein letztes Schwimmen, ein japanisches Wort und den Mut, einen ganz gewöhnlichen Moment noch einmal festzuhalten.

Eric Zener — Summer Ripple (Contemporary / Figurativ / Schwimmer), 2022

Gibt es Bücher oder Texte, die über dieses Gefühl von „noch einmal" schreiben? Ja. Und vielleicht ist genau das der Kern dieses besonderen Moments: Wir wissen, dass etwas bald vorbei ist – und gerade deshalb nehmen wir es plötzlich viel bewusster wahr.

Es gibt Lyrik, die diesem Gefühl sehr nahekommt. Besonders schön ist das Gedicht „The Last Swim of Summer" von Faith Shearin. Darin schwimmen Mutter und Tochter noch einmal im Pool, obwohl die ersten Blätter schon auf dem Wasser liegen und die anderen Badegäste längst verschwunden sind. Shearin beschreibt dieses Schwimmen sinngemäß wie ein Schwimmen gegen die Veränderung. Man weiß, der Sommer ist vorbei oder fast vorbei – und gerade deshalb möchte man diesen einen Moment noch festhalten.

Fast noch besser passt ein zweites Gedicht mit demselben Titel, „The Last Swim of Summer" von Anne Whitehouse. Dort bleiben am letzten Abend nur noch wenige Menschen im Wasser. Sie wissen, dass das Schwimmbad schließt, und holen aus dem kühlen Wasser und der warmen Luft noch einmal alles heraus, was möglich ist.

Vielleicht geht es dabei aber gar nicht nur um Abschied. Vielleicht geht es auch um das Aufbewahren.

Cornelia Funke hat dafür in Die Wilden Hühner ein wunderbares Bild gefunden: die Marmeladenglasmomente. Gemeint sind Augenblicke, die so schön sind, dass man sie am liebsten in ein Glas füllen würde. Man würde den Deckel fest zuschrauben und sie aufheben. Und wenn später eine graue, traurige oder schwere Zeit kommt, könnte man das Glas wieder öffnen – und für einen Moment wäre das Gefühl wieder da.

Vielleicht ist genau das ein letztes Schwimmen im Sommer: ein Marmeladenglasmoment.

Man schwimmt nicht anders als an all den anderen Tagen zuvor. Und doch ist plötzlich alles anders, weil man weiß, dass es vielleicht das letzte Mal für lange Zeit ist.

Ein japanisches Wort für dieses Gefühl

Hinter diesem Gefühl steckt wahrscheinlich noch etwas Größeres als nur der Abschied vom Sommer. Es gibt dafür einen japanischen Begriff, der sehr nah herankommt: mono no aware. Gemeint ist die besondere Empfindsamkeit für die Vergänglichkeit der Dinge. Etwas ist schön auch deshalb, weil wir wissen, dass es nicht bleibt.

„Ich gehe noch einmal ins Wasser – und weiß plötzlich, dass zwischen diesem Schwimmen und dem nächsten vielleicht zehn Monate liegen."

Damit verändert sich die Handlung. Ein ganz gewöhnliches Schwimmen bekommt plötzlich Gewicht. Und das funktioniert mit unzähligen Dingen:

noch einmal barfuß auf der Terrasse frühstücken

noch einmal abends ohne Jacke draußen sitzen

noch einmal die Fenster nachts weit offenlassen

noch einmal Pfirsiche essen

noch einmal morgens direkt in den See gehen

Auch Quinn McDonald beschreibt in einem kurzen Text genau diesen Übergang beim Schwimmen: An einem Morgen ist das Wasser plötzlich nicht mehr erfrischend kühl, sondern beginnt kalt zu werden. Auch die Sonne liegt anders auf dem Wasser. Der Sommer verschwindet nicht an einem bestimmten Tag – man merkt nur plötzlich, dass er sich verändert hat.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch in deinem Zuhause – Räume und Gewohnheiten, die sich leise verändern, bevor du bereit bist, dich davon zu verabschieden. Lass uns gemeinsam hinschauen.

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“Wie wirst du in deiner eigenen Wohnung nach einer Trennung wieder glücklich?"